MediaImpact – Kunst und „Agency“ im Informationszeitalter

Flyer

Buchpräsentation: Art and Agency in the Information Age. From Bradley Manning to PussyRiot.

Teilnehmer_innen: Joulia Strauss (Künstlerin, Aktivistin, Berlin) und Tatiana Volkova (Kuratorin, ZHIR Projekt, Moskau)

Das Koordinatensystem der zeitgenössischen Kunst hat sich verschoben: eine neue autonome Kunst erblüht, die von Regierungen oder Privatunternehmen unabhängig ist. Es bahnt sich eine Sezession an zwischen Marktkunst und der neuen autonomen Kunst, die auf viele Widerstände stößt, weil sie mit beruhigenden Konventionen bricht. Es ist uns eine große Ehre, eine Publikation zu präsentieren, welche jene erfinderischen Formen des Protestes versammelt und reflektiert, die für die globale Veränderung wichtig sind. Wie Peter Weibel behauptet: „Die beste zeitgenössische Kunst ist Aktivismus.“ Wir teilen seine Meinung und hoffen, mit dieser Publikation das Anliegen des Aktivismus durch und innerhalb der Kunst weiterzuentwickeln.

Die Publikation in Form eines Buches „Media Impact. International Festival of Activist Art“ ist, was früher als „Katalog“ einer „Ausstellung“ bezeichnet war, welche komplementär zu der Vierten Moscow Biennale of Contemporary Art im vergangenen Jahr stattgefunden hat. Die Ausstellung war aus informativen Artefakten, Dokumentationen und als Raum für den Austausch verschiedener Bewegungen, deren Synchronisierung und Generierung koordinierter Aktionen konstituiert.
Wir würden gerne die Form des nächsten Festivals MediaImpact diskutieren und die Zukunft einer Kunstinstitution erörtern, die an einer größeren Distanz zur Privatisierung und an der Verschiebung der Kultur hin zu Allgemeingut interessiert ist. Da die Buchpräsentation und Diskussion in der re-okkupierten Berlin-Biennale 7 stattfinden, die neuerdings als horizontale Struktur geformt wurde, werden diese als Asamblea ausgeführt.

Wir sind äußerst erfreut, Peter Weibel nicht nur als großzügigen Förderer, der diese Publikation ermöglicht hat, willkommen zu heißen, sondern auch als Vertreter des sog. Österreichischen Aktionismus, der als frühe Form des Aktivismus bezeichnet werden kann.

Wenn wir über „Art and Agency in the Information Age“ sprechen, adressieren wir gewaltige Probleme, mit denen Aktivisten wie WikiLeaks konfrontiert sind, und wir ehren deshalb Bradley Manning, der die Transparenz der Regierungen herausgefordert hat. Das Buch wird an den Tagen der Gerichtsverhandlung zu Pussy Riot präsentiert, und wie sehen unser Treffen als Fortführung der weltweiten Proteste gegen deren Inhaftierung.
„In Westeuropa lesen Menschen gerne über Empörung, auch wenn sie keine Risiken annehmen müssen. In Russland kann Widerstand gefährlich sein. Deshalb kann die Empörung der Individuen aus sozialen Gründen wie Gerechtigkeit, Humanismus, und Freiheit nicht ausreichend befürwortet und unterstützt werden.“ (Peter Weibel)

Ort: Autonome Universität, Occupy Berlin Biennale 7, KW Institute for Contemporary Art – KUNST-WERKE BERLIN e. V., Samstag, 23. Juni 2012, 16 Uhr.